angedacht - gesegnet - ermutigt * unser Gedanke zur Woche

Wer die Gedanken montags direkt per Mail bekommen will, schreibt uns: hochschulpfarramt.ludwigsburg(a)elkw.de
***********************
"Gott in der Kehrmaschine" (Stephan, 23.12.25)
„Frühschicht“ in der Stadtkirche kurz vor Weihnachten. Für die frühe Zeit 6.30 Uhr sind viele da!
Wir genießen den Kerzenschein in der Dunkelheit und die Klavierklänge in die Stille hinein.
Und dann die Worte eines Gebets:
"Gott, komm herab zu uns. Mache die Welt hell und die Wege weit."
Genau in dem Moment rumpelt eine Straßenkehrmaschine vorbei Richtung Weihnachtsmarkt. Das laute Motoren-Kehrgeräusch ist auch durch die dicken Mauern der Stadtkirche zu hören, und die orangenen Blinklichter flackern durch eines der Kirchenfenster herein.Die nächsten Sekunden bekomme ich nichts vom Gebet mit. Die Kehrmaschine nimmt meine Gedanken mit sich mit und ich muss innerlich schmunzeln: Wer hat die Sätze innerhalb und die Kehrmaschine außerhalb der Kirche im selben Moment zusammengebracht?
* „Gott, komm herab zu uns“ - und wenn es in einer Kehrmaschine wäre? Warum nicht?!
Tags und nachts für uns im Einsatz – so ist Gott nun mal. Kehrt den Dreck weg im Leben und unserer Seele, in Schwierigkeiten und im Stress. Im glitzernden Advent und im grauen Alltag, für mich und dich – Gott putzt und putzt, bis es wieder schön und gut ist.
* „Mache die Welt hell“ - und wenn es mit orangenen Blinklichtern wäre? Warum nicht?!
Wenn´s dunkel ist, dann hell machen – so ist Gott nun mal. Zündet Kerzen an, wenn wir allein sind, lässt Hoffnungsfunken sprühen, wenn wir verzweifelt sind, oder schaltet orangene Blinklichter an, damit wir Orientierung finden. Gott leuchtet, strahlt, funkensprüht für uns.
* „und mache die Wege weit." - und wenn es Weihnachtsmarktwege wären? Warum nicht?!
Auch wo´s zwischen den Buden schmal ist, Wege bereiten – so ist Gott nun mal. Findet Auswege in Sackgasse, ebnet Pflasterstolpersteine, macht enge Herzen weit und räumt „Im-Weg-Liegengebliebenes“ zur Seite. Gott sorgt dafür, dass wir gut durchkommen.
Weihnachten ist: Gott kommt auf die Welt in einem Baby, klein und menschlich, damit wir Mensch sein können.
Weihnachten ist (seit meinem Frühschicht-Moment): Gott kommt auf die Welt in einer Kehrmaschine, rumpelnd-blinkend-putzend, damit wir gut unserer Wege gehen können: sauber, hell und weit - fröhlich, gemeinsam und hoffnungsvoll.
Euch allen froh-friedliche Weihnachten und ein glücklich-gesegnetes Jahr 2026!
******************
"Baby born" (Stephan, 08.12.25)
2. Advent - gut eine Woche sind wir nun in der Adventszeit. Bei mir hat sie dieses Jahr zum 1. Mal in meinem Leben zwei Tage früher angefangen, am Freitag vor dem 1. Advent:
Freitagabend - Ankunft in St. Ottilien zum Klosterwochenende unserer Studierendengemeinde.
* Im Dunkeln der Wintermond über der Klosterkirche und ein Lichterchristbaum auf dem Klosterplatz – meine Augen strahlen und mein Herz wird funkelnd-hell.
* Erste Abendrunde unserer Gruppe zu Erinnerungen, Gefühlen, Wünschen im Advent – so süß wie mein 1. Lebkuchen, am Freitag vor dem 1. Advent!
* Samstagmorgen 5.40 Uhr Morgengebet mit den Mönchen – ich bin müde, bis wir Psalm 27 singen: „Der HERR ist mein Licht - vor wem sollte ich mich fürchten?“ Nun bin ich „adventswach“!
* Samstagnachmittag, Bible Art Journaling, wir gestalten Kunst zu Jesaja 9 „uns wurde ein Kind geboren, (…) und bringt Frieden ohne Ende.“ Lichtsternenglanz und Dunkelwolkenhimmel, Regenbogen und Krippe entstehen neben Wunsch-, Trost- und Hoffnungsworten zum Bibeltext.
Und da ist es! Gemalt, skizziert, kalligraphiert in unseren kleinen Kunstwerken, woher der Adventszirkus und die Adventsstimmung eigentlich kommen: Ein Kind, ein Baby, Frieden!
Alles ist da an Friedenswünschen und Herzenssehnsucht, wenn wir ein Baby sehen.
Unsere Nachbarn sind gerade Eltern geworden, und wenn ich Maia sehe, geht mein Herz auf: Klein und süß, hilflos und beschützenswert, mal quengelig und mal fröhlich. Leben pur!
Und Advent pur! Denn Advent ist eigentlich: There is a Baby born!
So klang es beim Christmas Carol Service auf unserem Klosterwochenende. Diese englischen Christmas-Songs rühren immer meine Ohren und Herz an. So auch an dem Nachmittag, bis: „Uäääääh!“ Ein Baby im Kinderwagen neben meiner Kirchenbank ist aufgewacht. Vielleicht hätten wir nicht so laut singen, sondern lieber leise anstimmen sollen „Still, still, still, weil´s Kindlein schlafen will“.
Geholfen hat dann, als der Papa sein Kind auf den Arm genommen hat. Das war mein Adventsmoment dieses Jahres! All die Lichter und Lieder, Gedanken und Gemeinschaft, Musik und Märkte, Wünsche und Wunder – ja, sie gehören zum Advent. Aber eigentlich ist es: ein Kind auf dem Arm, trösten, wiegen, kuscheln, Herzen pochen (ein kleines und ein großes, Brust an Brust). Und dieser Gedanke: In dem Kleinsten ist der Größte, im Kind ist Gott auf die Welt gekommen – damals in Bethlehem und bis heute in jedem Kind.
Ein Trostbild für alle, die sich klein fühlen – ihr seid göttlich-wertvoll!
Ein Gegenbild für alle Möchtegern-Mächtigen – ihr seid dem Leben verpflichtet!
Ein Hoffnungsbild für alle Friedenssehnsüchtigen – ihr seid auf einer guten Spur!
„There is a baby born und bringt Frieden ohne Ende.“ Ich nehme es mit aus dem Klosterwochenende nun in die 2. Adventswoche, und in die dritte und vierte, und für Heiligabend und Weihnachten, Silvester und Neujahr, und jeden Tag und jede Nacht unseres Lebens, für mich und uns alle. Sucht das Kleine, in dem Großes steckt. Und findet „Frieden ohne Ende“. Achtet immer wieder darauf in eurem Leben und schenkt es euch gegenseitig!
*****************
"Frieden wecken" (Stephan, 10.11.25)
„Komm den Frieden wecken“ – so hieß gestern das Thema eines Gottesdienstes in LB-Oßweil. Ich war neugierig, bin hingeradelt und habe dort mitgefeiert.
„Komm den Frieden wecken“ ist in diesen 10 Tagen Motto von Gottesdiensten und Aktionen der Ökumenischen Friedensdekade – eine mehr als 40-jährige Initiative, jedes Jahr im November.
„Komm, Frieden, lass dich wecken“ – so haben wir gestern im Gottesdienst ein neues Lied zur Friedenswoche gesungen – fröhlich-beschwingt auf die Melodie „Go, tell it on the mountain“.
Beim Singen dachte ich: Den Frieden wecken? Wie soll das gehen? Sonntagmorgen 10:15 Uhr, ja, wir mussten noch ein wenig aufwachen, uns in den Rhythmus eingrooven – die 5. Strophe klang aber dann kräftig-laut-aufgeweckt.Sonntagmorgen 10:30 Uhr, für eine Gottesdienst-Station waren aktuelle Zitate aufgehängt: Von „kriegstüchtig“ und „den Krieg vorbereiten müssen“ war zu lesen. Mir war mulmig zumute. Ob in Nachrichten, Politikerreden oder Bilanzzahlen von Rüstungsunternehmen – Krieg steht oben auf der Tagesordnung, ist hellwach, stark, laut, aktiv. Und Frieden, die Sehnsucht nach Leben ohne Gewalt, Hass und Drohnen? Die alten Visionen von „Schwerter zu Pflugscharen“ (von einem „kleinen“ Propheten der Bibel) oder von den „Friedensstiftern, die Gottes Kinder“ sind (von Jesus) – sie scheinen friedlich vor sich hinzuträumen. Da möchte man sich nur noch die Decke über den Kopf ziehen.
„Komm den Frieden wecken“ – beim Singen dachte ich, ja, das ist jetzt dran, aber wie?
* „den Frieden wecken“ – mit lautem Wecker: Wach auf und hör hin, auf den Wecker und dein Herz und spüre, ob es nicht doch andere Wege gibt, Streit zu lösen. Eine Konfirmandin schrieb: „zuhören und miteinander reden“. Naiv? Nein! Ein Weg, den wir wagen müssten.
* „den Frieden wecken“ – Rollladen auf: Wach auf und schau hinaus, was in der Welt passiert, an Schrecken und Kriegsrhetorik. Alternativlos? Nein! Einer berichtete von gewaltfreier Verteidigung und Verhandlungschancen. Ein Versuch wäre es wert.
* „den Frieden wecken“ – ein leises „Guten Morgen“, ein Streicheln über die Wange. Den Frieden nicht laut und polternd, sondern sanft und leise wecken. Möglich? Ja! Dass der Frieden nicht erschrickt, dass er langsam aufwachen und in den Tag gehen kann, an unserer Seite.
„Komm den Frieden wecken“, nehmen wir es mit in die kommenden Tage, im Kleinen und im Großen, in unseren WGs und an den Hochschulen, auf den Straßen und in den S-Bahnen, in den Kirchen und der großen Politik, in unseren Herzen und in der weiten Welt.
Für uns Evangelische passiert heute etwas Besonderes: Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlicht ihre neue Friedensdenkschrift "Welt in Unordnung – Gerechter Friede im Blick". Ich bin gespannt, was dort zu lesen sein wird. „Frieden wecken“, ob mit Wecker, Rollladen oder sanftem Streicheln, schaut, was funktioniert. Oder probiert, was sonst noch den Frieden wecken kann. Und versucht es mit anderen zusammen, erzählt euch davon (gerne auch mir), sucht gemeinsam Ideen und haltet eure Friedenssehnsucht hellwach.
**********************
"Zahnarzt-Spaß" (Stephan, 13.10.25)
"Viel Spaß!" – das sagen wir als guten Wunsch oder wenn jemand etwas Schönes vorhat.
Aber „Viel Spaß!“ beim Zahnarzt? Ist mir passiert, hat mir eine Assistentin am Empfang beim Zahnarzt gewünscht, aber nicht zum Abschied, sondern auf dem Weg zum Wartezimmer!
Ich dachte, ich habe mich verhört: „Viel Spaß“ beim Zahnarzt? Echt ernstgemeint?
Mich erwarten 3 1/2 Stunden Behandlung, erst Abdruck und Zahnscannen, dann Spritzen, die alte Teilkrone raussägen, gefühlt stundenlang den Mund aufsperren, bis ich ihn kaum mehr zukriege, ziemliche Zahn-Nervensache!
Und dazwischen immer wieder warten, bis es weitergeht. Echt viel Spaß!
Aber der Wunsch "Viel Spaß!" am Anfang hat etwas verändert. Den ganzen Zahnarzttermin lang überlege und suche ich, wo ich Spaß erlebe. Und ich finde einiges:
Die Playlist, die in den Praxisräumen läuft, ist ziemlich gut, von den Beatles bis zu Ed Sheeran.
In den Pausen kann ich von hoch oben aus den Praxisfenstern auf das bunte Treiben auf einer Kreuzung und einem Platz schauen und sehe dort viele schöne Szenen.
Am Anfang der Behandlung plaudert der Zahnarzt - Vergnügliches (wie er einmal eine Zahnarzthelferin hatte, die immer wieder während der Behandlung weggeschlummert ist) und Interessantes (wie sie mit dem alten Zahngold ein Hilfsprojekt unterstützen).
Im Flur immer wieder fröhliches Lachen der Zahnarztassistentinnen.
Und draußen kämpft sich die Sonne an dem Zahnarztvormittag durch den Nebel. Als ich nach Stunden „fertig“ bin, ist es ein goldener Herbsttag geworden.
"Viel Spaß!" - ja, den hatte ich dann doch ein bisschen - auch beim Zahnarzt. Und das einfach nur, weil es mir am Anfang gewünscht und mit auf den Weg ins Wartezimmer gegeben wurde.
Ich habe den Wunsch mitgenommen und Augen, Ohren und Herz (und den Mund!) weit aufgemacht und habe Spaß entdeckt.
So wie es im Grunde genommen mit Segen ist.
Segnen heißt gut-sprechen: Sei gesegnet, mach´s gut, bleib behütet, hab viel Spaß!
Und dann Augen, Ohren und Herz weit aufmachen…
Das wünsche ich euch für die nächsten Tage,
euch Erstis an der PH, die jetzt beginnen;
allen, die schon im Wintersemester angekommen sind;
die, die noch eine „freie Woche“ vor sich haben;
und alle anderen, die am Wochenanfang ein „viel Spaß“ gebrauchen können.
„Viel Spaß!“ euch allen, auch und gerade wenn ihr es nicht erwartet.
*****************
"Eis des Lebens" (Stephan, 15.09.25)
Letzter Urlaubstag. Auf der Heimfahrt Zwischenstopp an einer Eisdiele. Wir gönnen uns nochmals Sommerfeeling und bestellen ein Eis. Nein, nicht ein Eis, sondern fünf! Denn diese Eisdiele hatte ein einzigartiges Angebot: Fünf Mini-Eiskugeln für den Preis von einer. Da war ich mal gespannt. Am Ende waren die 5 Mini-Eiskugeln so groß wie 2-3 normale Kugeln. Was für ein leckeres Schnäppchen!
Das Auswählen der Eissorten war gar nicht einfach: Wer bestellt schon 5 Kugeln auf einmal?! Am Ende wurden es Mango, Himbeere, Schoko, Pistazie und Stracciatella. Und beim Eisschlecken lagen nochmals der Sommer und das Leben in seinen vielen Geschmacksrichtungen auf meiner Zunge:
Mangoeis: wunderbar frisch und sommergelb. Die Bergwanderungen am frischen Morgen dem Sonnenschein entgegen, alles steckte in der kleinen Eiskugel.
Himbeereis: süß-fruchtig. Es hat mich an meine Kindheit erinnert – Familienjahre, Freundschaften, Geschmack nach Geborgenheit und Fröhlichkeit.
Schokoeis: dunkel und irgendwie tröstlich, wie Momente, in denen es mal schwer ums Herz war und dann auch wieder ein Stein vom Herzen fiel.
Pistazie: ein wenig herb-nussig. Manchmal gibt es im Leben auch die eine oder andere harte Nuss zu knacken.
Und dann Stracciatella: geht immer, zergeht schwarz-weiß auf der Zunge, wie das Leben mit seinen hellen Sonnen- und dunklen Schattenseiten.
Fünf Eissorten und das Leben in seiner Geschmacksfülle. Und nicht nur das Leben. Beim fünffachen Eisschlecken kam mir ein Satz eines alten Gebets der Bibel in den Sinn: „Schmeckt und seht, wie freundlich Gott ist!“ (Psalm 34) Und ich kam ins Nachdenken, wie Gottes Freundlichkeit und wie Glaube wohl schmecken.
Für mich oft verführerisch-süß nach Liebe und Hoffnung, manchmal auch bitter-enttäuschend in verzweifelten Situationen, und immer wieder überraschend-frisch, weil Leben und Glauben immer „mehr“ sind: Geschmack für die Zunge, Nascherei für den Bauch und Sättigung für die Seele.
Wie ist es für Euch: Wie schmeckt euer Sommer, dein Leben, dein Glauben?
************************
"Patzer oder Parade" (Stephan, 28.07.25)
Patzer oder Parade, manchmal liegen nur Zentimeter dazwischen.
So am vergangenen Mittwoch beim Halbfinale der Frauen-Fußball-EM zwischen deutschem und spanischem Team. Ich war an dem Abend mit Kolleg*innen im Kino in einem „totwitzigen“ Film. Zurück vom Kino schaue ich mir noch die Verlängerung des Spiels an. Und da dieser Moment: nicht „tot-witzig“, sondern „tragisch-traurig“: Schuss der spanischen Spielerin Aitana Bonmati und die deutsche Torfrau Ann-Katrin Berger steht ein paar Zentimeter zu weit rechts. Der Ball saust an ihr vorbei ins Tor. Spanien gewinnt 1:0. Das EM-Finale gestern Abend ohne das deutsche Frauen-Team.
Patzer oder Parade, manchmal liegen nur Zentimeter dazwischen.
Nur ein Schritt nach links, die deutsche Torfrau hätte den Ball leicht gehalten, so leicht, so cool, so genial, wie sie es im Turnier oft gezeigt hatte - wie ihre Glanz-Parade gegen Frankreich als sie rückwärts springend den Ball vor der Linie abfing. Nach dem Patzer am Mittwoch aber war Ann-Katrin Berger untröstlich. Und ich kann es so gut nachempfinden: Was helfen die vielen Paraden, wenn der eine Patzer passiert?! Nach dem Spiel im Interview kein Herumreden, sondern „ ich nehme die Schuld auf mich“. Ich war sehr gerührt von ihren Worten. Spiel verloren, aber meins und viele Herzen gewonnen.
Patzer oder Parade, manchmal liegen nur Zentimeter dazwischen.
Das gibt es nicht nur im Fußball, das kennen wir auch sonst. Viele von Euch stecken gerade in Prüfungen. Dafür wünsche ich euch gute Paraden und keine Patzer, dass ihr Gelerntes abrufen könnt, dass die Aufgaben machbar sind und dass ihr es auf den Punkt bringt – in Prüfungen und in anderen kleinen oder großen Kämpfen des Lebens.
Denn: Patzer oder Parade, manchmal liegen nur Zentimeter dazwischen.
Manchmal fehlt dieser eine Schritt nach links, manchmal geht es knapp daneben. Dann sind wir untröstlich, auch wenn uns zuvor so oft viel Gutes gelungen ist. Patzer und Parade, himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt – das kennt auch ein ganz anderer aus eigener Erfahrung. Er ist vom Himmel auf die Erde gekommen, von ganz oben ganz unten gelandet. Und weil Gott es in seinem Sohn Jesus erlebt hat, wie nah Erfolg und Scheitern beieinander liegen, deshalb sagt Gott uns: „Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir.“ (Jesaja 41,10)
Der Größte uns ganz nah, immer, das tut gut! Nehmt es mit in eure Prüfungen und in diesen Sommer. Wenn euch Paraden gelingen oder Patzer passieren, lasst euch trösten in untröstlichen Momenten und feiert die Höhepunkte des Lebens.
In diesem Sinne einen göttlichen Patzer-Parade-Sommer!
*******************
"Auto-Lichter" (Stephan, 07.07.25)
Autoscheinwerfer ist nicht gleich Autoscheinwerfer. Das habe ich kürzlich im Peugeot-Museum in der Ludwigsburger Partnerstadt Montbéliard entdeckt. Wir waren 4 Tage mit dem Pfarrkonvent in Frankreich und haben nicht nur Kirchengemeinden, sondern auch das Museum besucht. Die protestantische Familie Peugeot hatte helle Köpfe. Was haben sie nicht alles erfunden und produziert: Ölmühlen und Spinnereien, Sägeblätter, Uhrenfedern und Kaffeemühlen, Waschmaschinen, ein Klavier und natürlich Fahr-, Motorräder und Autos über Autos. An einer Stelle des Museums war die Entwicklung der Autoscheinwerfer präsentiert: Vom Kerzenglas über Gaslampe und Glühbirne bis zum High-Tech-LED-Scheinwerfer.
Ich war fasziniert von der Vielfalt an Licht(ern). Und mir kam eins meiner Lieblingszitate Jesu in den Sinn: „Ihr seid das Licht der Welt… So lasst euer Licht leuchten…“ (Bibel, Mt 5).
Gut theologisch-biblisch-historisch geschult weiß ich, dass Jesus wohl an eine Öllampe dachte, so eine kleine Funzel, die nicht mehr Licht macht als eine Kerze, und deshalb auf einen Lampenständer gehört, damit es gut zu sehen ist, sogar als „Licht der Welt“.
Beim Anblick der mindestens 30 Lampen im Peugeot-Museum ging mir ein Licht auf:
Autoscheinwerfer ist nicht gleich Autoscheinwerfer.
Licht ist nicht gleich Licht.
Wir sind nicht gleich wie die anderen.
Jesus lädt uns ein, „Licht der Welt“ zu sein – leuchtend in unserer vollen Vielfalt:
Wie eine Kerze können wir Geborgenheit und Wärme ausstrahlen.
Wie unter einer Schreibtischlampe kann uns ein Licht aufgehen.
Wie mit Autoscheinwerfer können wir den Weg in der Dunkelheit finden oder zeigen.
Wie mit vielen Handylichtern können wir Konzert-Gänsehaut-Momente feiern.
Wie durch Sonnenstrahlen können wir das Leben in seiner Schönheit erkennen.
Licht steht für Helligkeit und Klarheit, Wärme und Leben, Ohne dieses Licht wäre alles finster, kalt und tot. Darum lasst euer Licht leuchten! Klein oder groß, schummrig oder strahlend, für euch und für andere. Und lasst euch selbst anstrahlen! Denn ihr seid es wert, dass ihr gesehen werdet, dass ihr seht und dass die Welt hell wird.
******************
"Preis der Natur" (Stephan, 23.06.25)
Momentan gibt es Sonnenschein und Temperaturen, die sich anfühlen wie Sommerferien! Ich liebe solche Tage auch im Alltag:
Arbeiten nicht nur am Schreibtisch, sondern auch mal auf der Gartenterrasse. Dann laufen Gedankenströme nicht nur im, sondern auch Schweißströme außen am Kopf. Als Weg zu einer Besprechung den Favoritepark wählen – eine herrliche Oase der Natur. Oder an gold-gelben Kornfeldern zum Hofladen radeln und dort Erdbeeren kaufen. Sommer ist großartig. Und Sommer draußen ist oft gratis. Die Natur ist ein Geschenk, wir können sie einfach genießen.
Naja, manchmal kostet es doch etwas, zumindest manch trüben Gedanken. Denn so trocken-heftig-heiß, da haben wir im Klima-Gleichgewicht etwas in Schieflage gebracht und sollten es schleunigst wieder geradebiegen.
Es gibt Wissenschaftler, die versuchen es, indem sie den Preis von Natur berechnen. Der Münchner Professor Frederic Vester z.B. hat schon früh den Wert eines Blaukehlchens berechnet. Es bekämpft Schädlinge und beruhigt mit seinem Gesang auch uns Menschen. Alles zusammengerechnet ergibt das für den kleinen Vogel einen Wert von rund 150 Euro pro Jahr. Eine Buche produziert Sauerstoff, spendet Schatten und bietet Heimat für viele Kleintiere. Alles zusammen in einem Buchenbaumleben rund 250.000 Euro. Die Bestäubungsleistung von Bienen schätzt die Wissenschaft weltweit auf 265 Milliarden - ohne Honig und Wachs mitzuberechnen. Wunderwahnsinn!
Ich bin fasziniert und skeptisch zugleich von solchen Rechenspielen. Einerseits sträubt es sich in mir, auch noch die Natur kapitalistisch zu verrechnen und möglicherweise zur Verhandlungssache zu machen. Andererseits gut, dass wir mal sehen, wie wertvoll und schützenswert die Natur ist.
Also Preisschilder im Grünen aufhängen? Bitte 10 Euro in die Kasse am Baumstamm für den Sauerstoff und die Kühle beim Waldspaziergang! Bitte eine Überweisung aufs Konto des Regenwurmvolks fürs In-Ordnung-Halten des Bodenhaushalts! Bitte einen Cent pro Wassertropfen im See, fürs Badevergnügen und die Lebensgrundlage! Außerdem Preiskleber aufs Haus der Weinbergschnecke, Preiszettel am Meeresstrand, Preisplakat vor dem Steinbruch – ein verrückter Gedanke! Aber möglicherweise heilsam ver-rückt, es kann unsere Aufmerksamkeit, Achtsamkeit und Wertschätzung positiv ver-rücken. Zugleich frage ich mich, welchen Preis hätte Sauerstoff oder ein Regenbogen oder der Schmetterling auf meinem Arm, der mein Herz erfreut?!
Dann vielleicht doch lieber imaginäre Schildchen für die Natur, vom Tausendfüßler, übers Alpenveilchen bis zum Grand Canyon:
„Achtung, unendlich wertvoll! Unbezahlbar, ich bin ein Geschenk Gottes!“
***********************
"Zug-Pfingsten" (Stephan, 02.06.25)
Kommendes Wochenende ist Pfingsten, das drittgrößte christliche Fest, 2 Feiertage!
Ich liebe die Pfingstgeschichte als Ursprung des Festes - alle Jahre wieder!
- Die Pfingstgeschichte erzählt von einem Neuanfang: Die verängstigten Freunde Jesu bekommen nach seiner Himmelfahrt durch Gottes Geist neue Kraft und Lebensmut.
- Die Pfingstgeschichte erzählt auch von einem neuen Verstehen:
Da sind Menschen aus aller Welt in Jerusalem und alle verstehen die Jünger, als sie in den Gassen und auf Plätzen von Jesu Leben und froher Botschaft erzählen.
An keiner Stelle der Bibel gibt es eine so lustige Aufzählung verschiedenster Nationen:
Parther und Meder und Elamiter und die in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen, Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unseren Sprachen die großen Taten Gottes verkünden. (Apg 2)
Pfingsten als Fest der weltweiten Verständigung, so ähnlich habe ich es bei einer Zugfahrt erlebt – und das gleich dreifach:
Der Zug ist rappelvoll, zum Glück habe ich eine Reservierung. Doch mein Platz ist besetzt: „Entschuldigung, diesen Platz habe ich reserviert.“ - „Is it your reservation?“
Kein Problem, Englisch geht auch: „Yes, it´s my reservation.“ Der junge Mann auf meinem Platz steht schon auf. Da erhebt sich sein Nachbar:„Ich mache meinen Platz frei. Ich habe mich gerade erst gesetzt.“, sagt´s und geht.
Drei haben sich verstanden und haben Plätze gewechselt: Pfingsten 1
(ich hoffe der, der aufgestanden ist, hat auch noch einen gefunden).
Auf meinem Platz logge ich mich mit meinem Smartphone ins WLAN ein. Klappt problemlos. Nun bin ich auch digital-grenzenlos mit der Welt verbunden: Pfingsten 2.
Bevor ich die Lage der Welt checke, stutze ich: Bei den angezeigten Netzwerken finde ich nicht nur das Zug-Portal, sondern auch noch andere: Timo, Jonathan, Simina, Amr, Marsovska… mein Gedankenkarussell beginnt zu drehen: Wer sitzt da noch mit mir im Großraumwagen? Wo kommen sie her, wo fahren sie hin? Auf Reisen? Zu Besuch? Hier zuhause? Würden wir uns verstehen?
Was wäre, wenn wir nicht nur digital im selben Netz wären, sondern uns real zusammensetzten, uns kennenlernten, über Sprachgrenzen hinweg: Pfingsten 3.
Ein Netzwerk trägt keinen Namen, sondern die Nummer 9014. Ein Mathematiker? Eine Glückszahl? Und sogar ein Außerirdischer reist im Netz mit: Android APRK.
Was einem kurz vor Pfingsten für verrückte Gedanken kommen!
Aber das ist Pfingsten - wie am Anfang. Da dachten auch alle: Wie verrückt! So kann es sein, wenn Gottes Geist begeistert und unser Leben durcheinanderwirbelt.
**********************
"So wie du bist" (Stephan, 19.05.25)
Ein trüb-trauriger Moment im Alltagsgrau - kann alle mal erwischen. Aber dass ich mir ausgerechnet da den Wohnungsputz vorgenommen habe - nicht unbedingt die beste Methode, sich auf bessere Gedanken zu bringen. Doch dann diese Melodie (auf noise cancelling geschaltet, der Staubsaugersound hat keine Chance dagegen!). Diese Melodie, die mein Herz und meine Beine in Schwung bringt, und der Staubsauger muss mit mir durchs Wohnzimmer tanzen. Und der Refrain trifft mich genau im richtigen Moment: „Ich will dich so wie du bist, so wie du warst, und so wie du irgendwann sein wirst.“
Wow, was für ein wunderschönes Kompliment an einen lieben Menschen. Und das nicht, weil er so perfekt-liebenswert ist. Nein, im Song des Duos Lina Bó ist es jemand ganz normales, mit allen Liebenswürdigkeiten und Macken:
Strophe 1: „Du warst immer schon n´ Mega-Typ, der sich in Raum und Zeit verliert, der die Regeln der Schwerkraft niemals akzeptiert. Doch ich hab kein Schritt mit dir bereut, keinen einzigen schrägen Tag, weil ich ganz genau das an dir besonders mag.“
Strophe 2: „Du bist immer noch dieser Typ, der durch den Großstadtnebel tanzt, weil du immer daran glaubst, dass du es schaffen kannst. Jeder Tag ein neuer Plan, dein Leben fährt Achterbahn, und ich liebe es, mit dir auf und ab zu fahr´n.“
Strophe 3: „Du brauchst dich nicht zu ändern, um mir weiter zu gefallen. Du warst und du bleibst der beste Mensch von allen. Brauchst keinen Pimp, keinen Titel und keinen Vertrag, weil ich ganz genau diese Fassung von dir mag.“
Seufz, wie wunderschön... Ich wünsche es Euch, dass ihr auch mal jemanden trefft, der*die euch so etwas Schönes sagt oder singt. Oder andersherum: Wem könntet ihr eine ähnliche Liebeserklärung machen? Dann traut euch!
Und wenn euch ein trüb-trauriger Moment im Alltagsgrau erwischt, stellt euch vor den Spiegel und sagt zu euch selbst: „Ich will dich so wie du bist!“ Und wenn es euch komisch vorkommt, sagt es gleich noch einmal!
„Ich will dich so wie du bist!“, es tut nicht nur unserer inneren Gefühlswelt gut, es kann auch zu Überraschungen führen, so erzählt es Sängerin Celina “Lina“:
„Wir haben diesen Song während unserer Straßenmusik-Auftritte gesungen, eines Tages auch in einem kleinen französischen Dörfchen. Nachdem eine französische Geschäftsfrau diesen Song gehört hat, bot sie an, uns ihren Wagen zu leihen. Einem völlig fremden Studentenpaar aus Deutschland – einfach so, weil sie der Song so berührte! Ich glaube, die Message erschließt sich auch, ohne die Worte zu verstehen.“
Genau deshalb immer wieder: „Ich will dich so wie du bist!“
Und wenn es euch mal nicht so gelingen mag, es über die Lippen oder das Herz zu bringen, denkt daran, einer sagt es uns immer wieder. An einer Stelle der Bibel hat sich Gott mit Namen vorgestellt, und der bedeutet: „Ich bin für dich da – immer“. Es war am brennenden Dornbusch, weil Gottes Liebe für uns brennt, weil Gott uns so will, wie wir sind. Vergesst es nicht und nehmt es mit in die neue Woche:
„Ich will dich so wie du bist, so wie du warst, und so wie du irgendwann sein wirst.“
*********************
"Mai-Vorurteile" (Stephan, 05.05.25)
1. Mai: Morgens Blick auf die Wetter-App, nicht für heute, sondern für 2 Tage später. Denn wir haben einen Plan: Wegen der 1.-Mai-Ausflugsmassen wollen wir erst am Samstag unsere Familienradtour machen. Doch die „Wetterfrösche“ sagen für den Tag Regen voraus. Also Planänderung: Spontan doch eine 1.-Mai-Sonnenschein-Radtour!
Doch auf den ersten Kilometern wird klar, was an unserem ersten Plan so gut war. 1. Mai 2025 – vollschönes Wetter aber auch volle Wege. Zig bollerwagenziehende, bierselige, lautgrölende Männergruppen blockieren absichtlich die Wege und bremsen die Radler*innen aus – echt nervig. Erst an der oberen Murr wird es leerer und freundlicher, die 1.-Mai-Gruppen dort weichen aus und rufen uns „Gute Fahrt!“ hinterher.
2 Tage später - der Samstag ist schöner als vorhergesagt - ich arbeite etwas im Garten. Plötzlich in meinem Rücken lautgrölend: „He, Chef!“ Ich dreh mich um und blicke in ein hochrotes Gesicht. Die Sprech- und Geradeausgeh-Fähigkeit zeigt, dass es nicht nur ein Bier war - schon jetzt am Mittag. Und ich denke nur, „Oh, nein! Wer hat den 1.Mai-Menschen unterwegs vergessen und warum muss er ausgerechnet mich anquatschen!“
„He, Chef! Kannst Du mir sagen, wie ich in die Pleidelsheimer Straße komme?“ Kann ich, erkläre es ihm und denke noch, zum Glück ist es nicht so weit und kompliziert.
„Hey Mann, danke Dir. Weißt Du, ich habe schon ein paar Schlucke zu viel getrunken. Da hätte ich den Weg wohl nicht allein gefunden. Und wärst du nicht da gewesen, hätten wir uns nicht kennengelernt. Danke, dass Du mir geholfen hast.“ Spricht´s und torkelt in die von mir angegebene Richtung. Ich schaue ihm nach, muss schmunzeln und hoffe, er ist gut angekommen. Und ich werde nachdenklich:
Beim lautgegrölten „He, Chef!“ hatte ich Ärger im Bauch, ein Bild im Kopf und auf der Zunge ein: „He, lass mich in Ruhe. Ich hatte diese Woche genug von Besoffenen!“
Schlechte Erfahrungen verallgemeinert und Vorurteil abgehakt. Aber dieses Mal ganz anders: Der Betrunkene war echt nett, hat meine Hilfe gebraucht und sich gefreut, dass wir uns „kennengelernt haben“ – und ich irgendwie dann auch.
Meine 1. und 3. Mai-Lehre dieses Jahr: Achte auf deine Vorurteile. Sieh den Einzelnen. Bleib offen für Überraschungen und für andere.
War auch eine Haltung, mit der Jesus auf andere zugegangen ist. Mit welch seltsamen Personen hat er sich an einen Tisch gesetzt! Weil er wusste, dass bei Essen und Trinken Menschen sich gut kennenlernen können. Weil er wollte, dass dort das Himmelreich auf Erden erfahrbar und Gottes Liebe zu allen Menschen lebendig wird – gegen alle Vorurteile. Und so hat es Jesus selbst erwischt, das Vorurteil anderer, er wäre ein „Fresser und Weinsäufer“. Aber mit denen am Tisch kam etwas in Bewegung.
Ich nehm´s mit in diesen Mai – wenn mich wieder eins meiner Vorurteile erwischt. Ich weiß, es wird mir nicht immer gelingen, aber ich will´s versuchen.
Und an einem nächsten 1. Mai, vielleicht bleibe ich (wenn die Familie nicht dabei ist) mal bei einer der Gruppen stehen, trinke mit ihnen ein Bier und sag ihnen dann, wie nervig es ist, wenn man als Radfahrer ständig absteigen muss.
Euch allen einen guten weiteren und vorurteilsarmen Mai.
*************************
"Oster-Lachen" (Stephan, 14.04.25)
Ostergarten Ludwigsburg: Am Freitag führte ich eine buntgemischte Gruppe. Im stockfinsteren Grab Jesu wird es den Kleineren etwas mulmig zumute. Da beruhigt eine etwa 5-Jährige die anderen: Ihr braucht keine Angst zu haben. Da kommt ein Engel und sagt: „Fürchtet euch nicht! Jesus lebt!“ Ein allgemeines Aufatmen, und manche lachen erleichtert.
Das war mein Ostermoment dieses Jahres, schon eine Woche vor Karfreitag.
Lachen auch in dunkelsten Momenten – das sind Ostermomente im Leben, und besonders fröhlich am Ostersonntag. Im Mittelalter wurden von der Kanzel Witze erzählt, damit die Gläubigen befreit lachen konnten. Da traute man sich, den Tod auszulachen. Diesen fröhlichen Brauch gibt es auch heute in manchen Kirchen wieder. Und so auch heute hier in meinem Gruß zu Beginn der Karwoche mit Ausblick auf das frohe Osterwochenende:
Nach Jesu Kreuzigung kommt einer der Jünger zu Josef von Arimathäa und bittet ihn, sein Grab für Jesus zur Verfügung zu stellen. Doch dieser findet eine Ausrede: „Das geht nicht. Ich brauche das Grab für mich und meine Familie.“ Darauf der Jünger: „Stell dich nicht so an - ist doch nur übers Wochenende!“
Darf man angesichts schrecklichen Leids in der Welt - damals wie heute - Witze über den Tod machen? Ja, wir dürfen und wir sollen es sogar. Ein Theologe hat die Auferstehung einmal bezeichnet als „Gottes Lachen über den Tod“. Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Seit Ostern ist der Tod nur noch derjenige, der als vorletzter lacht. Das letzte Lachen ist Gott und dem Leben vorbehalten. Lachen gehört zum Leben von Christenmenschen, denn im Lachen wird Gottes Gnade spürbar. Und Gott selbst ist ein Gott mit einem feinen und fröhlichen Humor. Zumindest hat das der fromme Mann erlebt, der sich in einem Gebet an Gott wandte:
"Guter Gott, stimmt es, dass für dich eine Million Jahre so viel sind wie eine Minute?" "Ja, das stimmt!", antwortet Gott. "Könnte man dann auch sagen, dass für dich eine Million Euro soviel sind wie ein Cent?" - "Ja, mein Freund, so ist es." Daraufhin der fromme Mann: "Ach, lieber Gott, ich bitte dich: Schenke mir doch einen Cent!" - "Gern“, antwortet Gott dem Betenden: „Warte nur mal eine Minute."
Ich wünsche uns, dass wir in Gottes Lachen einstimmen können. Denn aus dem Glauben heraus lachen, das können wir von Ostern mit in den Alltag nehmen, bis es sich dort ausbreitet und andere ansteckt - dass wir mit einem Lachen durchs Leben gehen, dass wir lachen können bis zuletzt - manchmal auch über uns selbst (darum von mir nun noch ein Pfarrer-Witz):
Ein Pfarrer kommt in den Himmel, gleichzeitig mit einem Busfahrer. „Du kommst sofort rein“, sagt Petrus zum Busfahrer. Der Pfarrer ist empört. „Nun habe ich mein Leben lang gearbeitet für das Reich Gottes, habe gepredigt und getauft, konfirmiert und beerdigt – und dieser Busfahrer kommt sofort in den Himmel, während ich noch warten muss.“ „Nun“, sagt Petrus, „wenn du gepredigt hast, haben alle geschlafen, aber wenn er gefahren ist, haben alle gebetet.“
Ich wünsche Euch eine gesegnete Karwoche, dann fröhliche Ostern und immer wieder ein Lachen auf den Lippen.
**************************
"vergessliche Eichhörnchen" (Stephan, 31.03.25)
Nun geht es wieder rund: An der PH starten jetzt am Montag die Erstsemester. Eine Woche später kommen die anderen PH-Studierenden dazu. Die HVF-Studierenden haben schon vor einem Monat begonnen. Nun wird es auf dem Campus wieder richtig lebendig und trubelig. Lebendig und trubelig ist es seit einigen Tagen auch ein Stück weiter auf den Bäumen an der Straße und in unserem Garten gleich neben dem Studidorf: Die Eichhörnchen sind wieder los – sehr zu meiner Freude, es sind meine Lieblingstiere!
Der Frühling scheint ihre Lieblingszeit zu sein: Sie springen die Bäume rauf und runter und flitzen durch blühende Frühlingsblumen. Doch zwischen ihrem Frühlings-Fangespiel halten sie inne. Langsam und achtsam schnuppern, suchen und graben sie:
Wo habe ich die gute Nuss im Herbst versteckt?
Wo war nochmals die Stelle meines Verstecks Nr. 27?
Hätte ich doch weniger Verstecke gewählt für mein kleines Gehirn!
Ich muss bei ihrem Suchen schmunzeln, denn es erinnert mich an uns Menschen-Hörnchen:
Wo habe ich meine Schlüssel nochmals hingelegt?
Wie war ihr Name, die mir gestern überraschend begegnete?
Hätte ich doch weniger Aufgaben übernommen für mein kleines Gehirn!
Wenn man Menschen fragt, wovor sie sich im Alter am meisten fürchten, dann sagen viele: Vergesslich werden! Denn vergessen ist nicht schön und macht Angst. Doch Vergessen hat auch etwas Gutes. Unser Gehirn sortiert aus und macht Schubladen frei für Neues. Nicht immer verstehe ich mein Hirn, warum es Dinge aussortiert, die mir doch wichtig sind. Aber so ist es eben.
Auch die Vergesslichkeit der Eichhörnchen hat etwas Gutes, so hat es mir ein Förster erzählt, als wir vor einem Haselnusswäldchen stehen. „Gepflanzt“ haben es Eichhörnchen, diese Weltmeister im Sammeln und Vergessen. Gut so - durch ihre Vergesslichkeit gibt es mehr Bäume! Ja, manches vergesse auch ich gerne: Wenn etwas Schlimmes passiert ist oder es Streit gab. Dann manches vergessen zu dürfen, das muss nicht, kann aber guttun. Eichhörnchen machen es vor: Nussverstecke vergessen - kann passieren. Aber gute Nussbäume kennen - heißt frisches Futter. Und von Bäumen vergessener Nüsse werden alle satt!
So wünsche ich euch ein eichhörnchen-mäßiges Sommersemester: Ihr sollt viel lernen, Wissen sammeln und in euren Hirnverstecken vergraben – dazu ist Studium ja da. Manches aber dürft ihr auch wieder vergessen - zumindest nach den Prüfungen. Denn Leben ist viel mehr als nur Wissen sammeln. (Und wenn ihr es doch schon in der Prüfung vergesst, dann wünsche ich euch gnädige Prüfer*innen, die sich erinnern, dass auch sie sich nicht alles merken können.)
Aber was denke ich schon an Prüfungen! Das Sommersemester hat erst begonnen. Und zu diesem Start von mir die besten Wünsche und noch ein guter letzter Gedanke:
Einer ist weniger vergesslich als Eichhörnchen: Gott. Er vergisst keine Nuss, nicht das verlorene 100. Schaf im Gleichnis Jesu und schon gar nicht uns. Gott findet uns immer wieder. Alles können wir vergessen, aber das sollten wir uns merken.
Euch allein ein wunderbar eichhörnchen-fröhliches Sommersemester.
**********************
"Bitte, Barmherzigkeit!" (Stephan, 27.01.25)
Seit einer Woche ist Donald Trump nun Präsident der USA. Eiskalt war es vergangenen Montag, draußen und drinnen im Kapitol. Trump schuf gleich klare Fronten: Massenabschiebungen, „Big Oil“ und null Bock auf Demokratie, gemeinsam mit seinen Kumpel Musk, Bezos, Zuckerberg. Eine einzige Nachricht hat mich positiv gestimmt. Wieder war es eine Frau bei der US-Präsidenten-Amtseinführung, die einen Akzent setzte. Bei Joe Bidens Inauguration vor 4 Jahren war es die 22-jährige Amanda Gorman mit ihrem Gedicht „The Hill We Climb“. Dieses Mal war es eine Bischöfin. Trump beginnt traditionsgemäß den Dienstag mit einem Gottesdienst in der Washington National Cathedral. Tags zuvor, bei Trumps Vereidigung, hatte er von den anwesenden Geistlichen salbungsvolle Worte zu hören bekommen, er sei ein von Gott erwählter Retter. Anders Bischöfin Mariann Edgar Budde in ihrer Predigt. Sie redet dem mit versteinerter Miene zuhörenden Trump ins Gewissen:
„Im Namen unseres Gottes bitte ich Sie, haben Sie Erbarmen mit den Menschen in unserem Land, die jetzt Angst haben“, sagte Budde, „Es gibt schwule, lesbische und transgeschlechtliche Kinder in demokratischen, republikanischen und unabhängigen Familien. Manche fürchten um ihr Leben.“
Trump hatte nach seiner Vereidigung angeordnet, dass es in seiner Politik nur zwei Geschlechter gebe: männlich und weiblich. Und beendete gleich zahlreiche Programme zur Förderung von Diversität.
Auch Trumps Dekrete zu Massenabschiebungen von Migrant*innen nahm sich die Bischöfin in ihrer Predigt vor:
„Die Menschen, die unsere Ernte einbringen und unsere Bürogebäude reinigen, die in Geflügelfarmen und Fleischverpackungsbetrieben arbeiten, die in Restaurants das Geschirr nach dem Essen abwaschen und in Krankenhäusern Nachtschichten übernehmen, sind vielleicht keine Staatsbürger oder haben keine Papiere. Aber die große Mehrheit von ihn sind keine Kriminelle.“, so die Bischöfin, „Ich bitte Sie, Erbarmen zu haben, Herr Präsident. Helfen Sie denjenigen in unseren Gemeinden, deren Kinder befürchten, dass ihnen ihre Eltern weggenommen werden.“
Ob die Bischöfin Trumps Gewissen erreichen konnte (wenn er eins hat), darf bezweifelt werden. Nach dem Gottesdienst wetterte Trump auf seiner Online-Plattform „Truth Social“, der Gottesdienst sei "sehr langweilig und uninspiriert" gewesen, forderte eine Entschuldigung von der Bischöfin, die er als linksradikale Trump-Hasserin beschimpfte.
Man könnte es auch als Kompliment für eine Predigt lesen, wenn Trump sich aufregt. Ich zumindest würde sie jetzt schon zur Predigt des Jahres 2025 vorschlagen. Eine Bischöfin, die diesem skrupellosen Präsidenten die Leviten liest, ihn „im Namen Gottes“ um Erbarmen bittet, das braucht Mut und Rückgrat, so wie es die biblischen Propheten vor langer Zeit taten. Danke, Bischöfin Budde! Es war der einzige Lichtblick bei dieser unsäglichen Zeremonie, ein Hoffnungsfunke, den ich mitnehme.
Ich nehme es mit heute am 27. Januar, 80 Jahre nach der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, und ich will es euch in diese Woche mitgeben: Lassen wir uns nicht unterkriegen, auch wenn es manchmal entmutigend ist. Lasst uns Rückgrat zeigen und wo nötig klare Worte sprechen, „im Namen Gottes“ und „im Namen der Menschlichkeit“.
***************************
"Jahres- oder Lebens-Motto" (Stephan, 13.01.25)
Guter Vorsatz an Silvester fürs neue Jahr - ich hab´s mal wieder vergessen. Nein, ganz ehrlich, ich hatte es noch nie mit Vorsätzen am 31.12.! Dann schon lieber die kleinen kreativen Ideen übers Jahr, die sich gleich umsetzen lassen.
Was ich auch faszinierend finde, sind Lebensmottos. Noch habe ich keins für mich gefunden. Wenn ich ein schönes habe, schwupps, ändert sich was im Leben und schon müsste ein neues Lebensmotto her! Aber ich liebe es, wenn ich von anderen schöne Lebensmottos erfahre. Also, wer von euch eins hat, nur her damit!
Jetzt zu Beginn des neuen Jahres habe ich ein besonderes gelesen. Es ist von Helmut Luft. Er ist Altersforscher und Arzt und ist vor kurzem 100 Jahre alt geworden. Wenn einer sich mit Leben auskennt, na, dann so jemand! In einem Interview hat er kürzlich gesagt: „Mit einem Bein stehe ich bereits in der Ewigkeit. Bis es aber so weit ist, lebe ich nach dem Motto, das mich das Leben gelehrt hat: Lernen, Laufen, Lachen, Lieben.“
Was für ein augenzwinkernder Humor, was für ein praktisches Lebensmotto! Vier Tätigkeiten mit „L“, leicht zu merken, passt prima, nehme ich für mich mit ins Jahr 2025. Alle vier „L´s“ sind klasse, für meinen Alltag und auch meinen Glauben.
1. Lernen: Das hört nie auf, nicht nach der Schule, nicht nach dem Studium. Was lerne ich nicht noch alles bis heute - vor allem wenn ich Menschen begegne, auch in unserer Studierendengemeinde. Auch im Glauben sind wir nie fertig. Christsein ist ein Werden, hat Martin Luther gesagt. Also weiter Glauben lernen – zwischen Zweifel und Vertrauen!
2. Laufen: Für manche heißt das Joggen. Bei mir ist es eher in die Pedale treten. Laufen ist aber viel mehr: In Bewegung bleiben von den Füßen bis in den Kopf. So wie Jesus unterwegs war und die Welt auf den Kopf gestellt hat, so auch wir weiterhin als wanderndes Gottesvolk unterwegs, um die Welt zu verändern.
3. Lachen: Ja, was soll ich dazu sagen!? Lacht, so oft ihr könnt – mit anderen und über euch selbst. Erzählt euch Witze, nehmt es mit Humor, auch wenn die Welt manchmal schrecklich und das Leben zum Heulen ist (dann eben Galgenhumor!). Lacht laut, bis Tränen des Glücks fließen. Oder schmunzelt sanft, wenn euch das Leben zublinzelt.
4. Lieben: Wie wunderbar! Denn wer liebt, schenkt Wärme. Wer geliebt wird, sieht über den Horizont hinaus. So wie Paulus, der Glaube, Liebe und Hoffnung ganz nach vorne setzte, die Liebe aber an die 1. Stelle. Sie bleibt, auch wenn alles andere vergeht - weil der Erste und Letzte, Höchste und Nächste ein Herz für uns hat.
Ein noch junges Jahr liegt vor uns. Wir wissen nicht, was kommt. Ich beginne es neugierig, mutig, hoffnungsvoll und versuche es vierfach: Lernen, laufen, lachen und lieben! Gerne mit euch zusammen!
********************
